in Zeiten der Transformation

in Zeiten der Transformation

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March 2024

Namhafte Wissenschaftler beschreiben die Phase, in welcher wir uns  als Gesellschaft zurzeit befinden als Phase der Transformation. Dies lässt sich fest machen an den Herausforderungen, die wir mit den Themen Klima, Flüchtlinge, Kriege, Pandemien und auch Digitalisierung (um nur einige zu nennen) zurzeit bewältigen müssen. Seit dem zweiten Weltkrieg haben wir mit dem Ziel gelebt, dass es unsere Kinder einmal besser und leichter haben sollen als wir. Nun zeichnet sich ab, dass dieses Ziel nicht zu halten ist, es scheint sogar nicht mehr machbar den Status Quo zu erhalten. Letzteres wird zwar bei der Klimafrage von einigen Unbelehrbaren noch geleugnet, aber zumindest die anderen Themen haben die meisten von uns ja mittlerweile im Alltag zu spüren bekommen. Weiteres Wachstum scheint nicht mehr machbar, denn die Kosten (nicht nur monetärer Art) hierfür werden untragbar.

Wir müssen uns die Frage gefallen lassen, ob das, was wir landläufig als Wachstum bezeichnen und wirklich glücklicher macht und tatsächlich die "Haben-Seite" bereichert. Welchen Gewinn ziehe ich denn wirklich aus der Fernreise, dem leistungsstärkeren Auto, dem Haus mit eigenem Schottergarten und noch mehr Fleisch mit Sahnesoße? Klar, das ist sehr polemisch. Dennoch lohnt sich ein Innehalten und Nachdenken, ob diese vermeintlichen Zeichen von Wohlstand wirklich unsere Lebenszufriedenheit so sehr erhöhen, dass der Preis sich lohnt… Es geht eben nicht nur um manchmal auch gefühlsduselige Wertschätzung, sondern auch um eine ehrliche Schadensabschätzung.

Wir aber erziehen noch immer die heranwachsenden Generationen zum Konsum. Fragt man in einer fünften Klasse die Kinder nach ihren Hobbys, dann geben meiner Erfahrung nach 90% der Jungen Fußball und 90% der Mädchen Shopping an. Da wird mir aus verschiedenen Gründen jedes Mal ganz anders. – Natürlich ist dies nicht die Schuld der Kinder. Und auch nicht wirklich die der Eltern, denn es ist nicht leicht bei Erziehung und Sozialisation dem Gesamttrend entgegenzuwirken. Man riskiert Ausgrenzung und Mobbing für die eigenen Kinder. – Schockierend, wenn sie dann als Jugendliche nicht nur optisch austauschbar wirken und trotz aller Individualisierung, für die wir uns in Punkto unserer Rechte immer so sehr stark machen, nach wie vor nichts lieber sein wollen, als so wie alle anderen. Dabei ist eins gewiss: Die Probleme von heute werden garantiert nicht mit den Gedanken von gestern gelöst.- Was bedeutet, dass wir zwingend Menschen benötigen, die kreativ sind, die anders sind…- Damit dies machbar ist, benötigen wir eine größere Solidarität untereinander und einen anderen Umgang mit der Verteilung von Ressourcen.

Hier kommt natürlich auch die Achtsamkeit ins Spiel. Wir müssen in Resonanz gehen. In Resonanz mit unserem Gegenüber, mit der Welt, die uns umgibt. (Ich empfehle zum Thema Resonanz sehr das gleichnamige Buch von Hartmut Rosa oder auch das Interview von Thilo jung mit ihm, was sich auf YouTube finden lässt. - Es ist eine echte Freude den beiden beim Denken zuzuschauen.)

Das Sicherheitsbedürfnis von uns Menschen ist nicht zu unterschätzen. Wir haben das Bestreben nach sorgloser Absicherung und nach Erfüllung unserer Wünsche. Das ist menschlich. Nun verlässt die Entwicklung zurzeit aber die planbare Linearität und wird exponentiell oder in manchen Teilen sogar chaotisch. So klammern sich viele verständlicherweise an dem fest, was ihnen bisher Sicherheit gegeben hat. Vielleicht lohnt es aber stattdessen neu zu denken, wie sich diese Sicherheit fernab vom Konsum erlangen lässt? Vielleicht sollten wir beginnen Beziehungen den Dingen vorzuziehen und so Konsumgüter zum Beispiel gemeinsam mit den Nachbarn nutzen? Vielleicht lohnt es sich die Demut wieder zu entdecken. Das Wissen darum, dass ich selbst nur ein kleines Fitzecken im Vergleich zum Großen Ganzen bin und dass ich mich und mein Wohlergehen nicht über das anderer Menschen, Tiere, Pflanzen, Lebensräume, … stellen will. Was ist mein Vermächtnis, was ich der Welt übergeben will? Ausgebeutete Rohstoffe? Ordentlich CO2? Oder gibt es da mehr? Ich komme als denkender Mensch doch nicht umhin auch das Risiko zu sehen, was meinem Tun folgt und dann stellt sich die zentrale Frage nach dem Ziel meines Lebens. Sollte das nicht über ein paar nette Instafotos hinausgehen? Ich schließe mich da mal Maja Göpel an und nenne als mögliches Lebensziel für einen jeden von uns: planetare Gesundheit für den Homo vitalis. Darin steckt der Blick auf uns als Mensch, auf unsere Gesundheit und Lebensfreude, aber wir sehen auch unsere Verpflichtung zur Gesunderhaltung unseres Planeten- und so wird für mich ein Schuh draus.

Ich empfehle sehr die Bücher von Prof. Dr. Maja Göpel, die übrigens hier in der Ecke aufgewachsen ist. Auch auf youtube gibt es zahlreiche sehenswerte Videos mit dieser ebenso klugen, wie klaren Frau.

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